Am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, war an der St.-Moritz-Kirche einiges los. Die vier alten Glocken wurden nach fast 70 Jahren aus dem Kirchturm geholt und die drei neuen Bronzeglocken an ihren künftigen Platz nach oben gebracht. Damit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum neuen Geläut der Mittenwalder Stadtkirche geschafft.
Bis die neuen Glocken tatsächlich über Mittenwalde erklingen, dauert es allerdings noch etwas. Zunächst müssen sie im Turm montiert und technisch eingerichtet werden. Wenn alles nach Plan verläuft, könnte das neue Geläut Ende Oktober oder Anfang November erstmals zu hören sein.
Gegossen wurden die drei Bronzeglocken am 28. August 2026 in der Glockengießerei Rincker in Sinn bei Wetzlar. Am 27. September wurden sie in der St.-Moritz-Kirche feierlich gewidmet. Damals standen sie noch im Kirchenschiff und konnten aus nächster Nähe betrachtet werden. Zusammen wiegen sie 2.388 Kilogramm und sind auf die Töne f′, g′ und b′ gestimmt. Ihre Inschriften und Verzierungen erzählen von Menschenwürde, Frieden, Gemeinschaft und Glauben. Die kleinste Glocke trägt mit dem Lied „Ich singe dir mit Herz und Mund“ auch ein Stück Mittenwalder Geschichte in sich.
Aber auch ihre Vorgänger haben eine Geschichte zu erzählen. Die vier bisherigen Glocken wurden 1956 von der Firma Schilling & Lattermann in Morgenröthe-Rautenkranz aus Eisenhartguss gefertigt. Mit ihren Tönen f′, as′, b′ und des″ bildeten sie das sogenannte Parsifal-Motiv und prägten fast sieben Jahrzehnte lang den vertrauten Klang der Stadt.
Die größte der alten Glocken wiegt 1.280 Kilogramm und trägt die Worte „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“. Auf den drei kleineren Glocken finden sich unter anderem die Worte „Haltet an am Gebet“, „Geduldig in Trübsal“ und „Seid fröhlich in Hoffnung“. Sie greifen gemeinsam einen Vers aus dem Römerbrief auf. Ergänzt werden sie durch Liedzeilen, darunter auch Texte von Paul Gerhardt, der von 1651 bis 1657 in Mittenwalde wirkte.
Ganz verabschieden müssen wir uns von den alten Glocken nicht. Drei von ihnen sollen künftig auf dem Friedhof aufgestellt werden. Die vierte bekommt einen Platz in der St.-Moritz-Kirche neben dem Denkmal für die Gefallenen. So bleiben sie auch weiterhin ein sichtbarer Teil der Mittenwalder Geschichte.
Schon 1956 wurde die Ankunft der damaligen Glocken in Mittenwalde gemeinsam gefeiert. Vielleicht gibt es davon noch Fotos in privaten Familienalben? Auch Aufnahmen von früheren Glocken, vom Kirchturm oder persönliche Erinnerungen rund um St. Moritz sind willkommen. Mit Ihrer Hilfe möchten wir die Geschichte der Mittenwalder Glocken weiter zusammentragen und für kommende Generationen bewahren.
Hinweise, Fotos und Erinnerungen können Sie gern an tourismus@spam.mittenwalde.de senden.